Ich will keine schönen und perfekten Bilder mehr machen - die Welt ist es schließlich auch nicht.
Meine Kunst soll nicht gefallen, sie soll zum Nachdenken bringen.
Wo mein Körper mich einschränkt, befreit mich der digitale Raum. Das Tablet wird zum reinen Aktionsfeld, der Stylus zu meinem Ventil: Rohes, digitales Action Painting statt leblosem Kopieren.
Jeder digitale Kratzer, jeder impulsive Pixelausbruch ist ein ehrlicher, körperlicher Ausdruck des Augenblicks - ein ungefilterter Schrei der Seele.
Vom Erlebnis zur rohen Essenz
Meine Arbeiten entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus einer unmittelbaren, emotionalen Intensität heraus. Oft ist es ein prägender Augenblick der den Impuls für ein Werk gibt.
Ich bilde die Realität nicht ab; ich destilliere ihre Energie. Durch einen intuitiven, gestischen Prozess verschmelzen menschliche Präsenz, tierische Urkraft und rohe Linienführung zu einer neuen, ungefilterten Bildsprache. In dieser Serie verdichten sich die Erinnerung an diesen Moment zu einem einzigen, kraftvollen Ausdruck von Bewegung und Raum.
Es geht mir nicht mehr um gefällige Perfektion, sondern um die ungeschnittene, authentische Handschrift der Art Brut - roh, direkt und aus dem inneren Erleben geboren.
Der Tanz der Wut
Es gibt Tage, an denen bricht etwas auf. Tage, an denen die Last des Alltags und die eigenen Grenzen so schwer wiegen, dass kein Raum mehr für Vorsicht bleibt. Genau das sind die Momente, in denen ich zur digitalen Leinwand greife.
Seit einigen Wochen sieht man in meiner Kunst keinen Fotorealismus mehr. Wer genau hinschaut, sieht stattdessen etwas viel Wichtigeres: mich.
Ich nehme meine angestauten Emotionen, werfe sie auf die Fläche, kratze, schichte und lasse es zu, dass es sich im klassischen Sinne „hässlich“ anfühlt. Aber in dieser vermeintlichen Hässlichkeit liegt so viel mehr Wahrheit als in jeder perfekten Linienführung. Es ist der Ort, an dem mein Schmerz, meine Erschöpfung und meine Sehnsucht ein Zuhause finden.
„Ich bin nicht mehr hier, um zu gefallen. Ich bin hier, um zu fühlen.“
Der Weg weg vom Fotorealismus war kein leichter. Jeder, der sich jemals an dieser Perfektion versucht hat, weiß, wie viel Lebenszeit, Blut, Schweiß und Tränen in solchen Werken stecken. Doch meine Gesundheit hat mir irgendwann die Stopp-Tafel gezeigt. Mein Körper konnte einfach nicht mehr. Und in diesem Moment des Zerbrechens passierte etwas Befreiendes: Ich musste loslassen.
Der kindliche, naive und ungefilterte Stil, den ich heute lebe, ist für mich kein Rückschritt. Er ist mein Rettungsanker. Er ist die einzige Art und Weise, wie ich in dieser Welt noch künstlerisch überleben und atmen kann.
Ich weiß, dass dieser Wandel manche Menschen verwirrt. Er ist nicht glatt, er tut vielleicht manchmal weh beim Hinsehen und er entspricht keiner Norm. Doch er ist echt. Er ist meine nackte Realität, in Farbe und Gefühl gegossen.
Ich liebe diese neue, rohe Kunst von ganzem Herzen. Denn sie zeigt endlich das, was Worte oft nicht mehr sagen können. Und das ist gut so.
Autoimmunerkrankung und Neurodermitis sind für viele nur Worte. Doch für mich und viele andere ist es eine Reise durch ein Labyrinth aus Entzündungen, brennenden Schmerzen in Speiseröhre und Magen, trockene, rissige Haut, sowie plötzlich auftretenden Blutungen, die kein Pflaster der Welt sofort stoppen kann. Um zu zeigen, wie sich mein Alltag anfühlt, habe ich zum Stift gegriffen und meine innere Welt in Buntstift-Studien festgehalten.
Meine Neurodermitis zeigt sich nicht nur an der Hautoberfläche. Es ist ein tiefer, innerer Prozess, eine Autoimmunreaktion, die meinen Körper wie ein Lauffeuer durchzieht. Wenn meine Hände aufplatzen, ist das mehr als nur eine Wunde - es ist ein Riss im Alltag, ein körperliches Signal, das sagt: „Hier ist ein Ort des Schmerzes.“
Oft wird vergessen, dass der Schmerz bei Autoimmunerkrankungen nicht dort aufhört, wo die Haut endet. Der brennende Schmerz in meiner Speiseröhre und meinem Magen fühlt sich an wie ein permanentes, glühendes Feuer. Es ist ein Zustand, in dem die Grenze zwischen "Ich" und "Krankheit" verschwimmt. Diese Zeichnungen sind mein Versuch, dieses diffuse, aber alles verzehrende Brennen in greifbare Bilder zu übersetzen.
Das Rot in meinen Zeichnungen ist kein bloßes Gestaltungsmittel. Es ist das Symbol für das Blut, das aus den offenen Stellen meiner Hände sickert und für das, was mein Körper im Stillen erleidet. Es steht für die Momente, in denen ich mich hilflos fühle, wenn mein eigener Körper durch die Autoimmunerkrankung und die Neurodermitis seine Integrität verliert.
Diese Bilder sind eine Einladung an dich, einmal innezuhalten. Wenn du das nächste Mal jemanden mit einer chronischen Erkrankung siehst, denke daran: Das, was du siehst, ist nur ein Bruchteil des Kampfes, der unter der Oberfläche tobt. Mein Ziel ist es nicht, Mitleid zu erregen, sondern Verständnis zu schaffen. Wir kämpfen jeden Tag, auch wenn wir lächeln.